Wohin geht es, Deutschland?

Deutschland und die Märkte nach der Wahl

Die Börse als „Zukunftsmarkt“ hat zunächst einmal positiv auf das Wahlergebnis reagiert: Sowohl der DAX, aber noch stärker der M- und der S-DAX konnten Gewinne verzeichnen.

Viele Fragen stehen aber momentan noch im Raum. Die Art ihrer Beantwortung wird für mindestens vier Jahre Einfluss nehmen auf die Entwicklungen an den verschiedenen Märkten.

Vor allem sind es zwei Grundfragen, deren Antwort sich derzeit noch nicht recht absehen lässt:

  1. Welche wirtschaftspolitischen Impulse kann und wird es unter einer neuen Regierung geben?
  1. In welche Richtung wird sich das Verhältnis von volkswirtschaftlichem Agieren und sozialstaatlichem Austarieren bewegen?

Der Faktor Zeit

Je länger die Antworten ausbleiben, desto länger werden sich die verschiedenen Märkte wohl eher in Seitwärtsbewegungen aufhalten, anstatt klare Richtungen einzuschlagen. Die Koalitionsverhandlungen über eine neue Regierung stehen also unter einem gewissen Zeitdruck, wenn man z.B. der üblichen Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt mit entsprechenden Maßnahmen zusätzlichen Schwung geben will.

Auch der Umgang mit den wirtschaftspolitischen Entscheidungen der USA erfordern eine rasch handlungsfähige Bundesregierung. Nur so kann sich die deutsche Stimme zum einen in den Beratungen mit der EU, zum anderen im direkten Austausch mit den USA in Klarheit einbringen und die zukünftigen Handelsbeziehungen auf ein stabiles Fundament stellen. Das gilt tatsächlich innerhalb Europas noch deutlich mehr als gegenüber den USA. Europa sucht wieder Klarheit und Stärke in der politischen Führung Deutschlands.

Der Faktor Einzelperson

Trotz der gefallenen Wahl- (und damit auch Richtungs-) Entscheidung und trotz des Faktors Zeit, der jetzt sicher eine wichtige Rolle spielt, gilt eines festzuhalten: Sehr viele und sehr wesentliche Wahlen bleiben in unserem täglichen Entscheidungsbereich. Zum Beispiel die Wahl für eine solide und gesunde Einschätzung für robuste Investmententscheidungen.

Wir blicken daher – gerade im Angesicht vieler Unwägbarkeiten – auf die folgenden Grundsituationen in drei Feldern unseres Spezialgebietes, den Sachwertinvestments:

Der Zustand der Märkte

Wir beschränken uns hier auf die Bereiche, auf die wir schon in den letzten Jahren unseren Fokus gelegt haben.

Wichtiger Vorausgedanke als Impuls, der Ihre Sinne schärfen und den Fokus aufrecht erhalten kann, trotz all der medialen und tatsächlichen Unruhe unseres Alltags:

Wer heute in Sachwerte investiert, tut das in aller Regel mit einem Laufzeit- und Planungshorizont von mehr als 5 Jahren – also durchaus über das Ende der anstehenden Legislaturperiode hinaus!

Bausektor und Immobilien

Es ist fast schon ein Dauerbrenner: Die alte Bundesregierung stellt die zukünftige vor die genau gleiche Situation, vor der sie selbst bei Amtsantritt stand. Weder erreichte die Bautätigkeit die staatlich selbstgesteckten Ziele, noch gingen ausreichend Impulse von Staatsseite aus, um den privaten Bausektor nachhaltig in Schwung zu bringen.

Immerhin: Wir beobachten auf Seiten der Emittenten nach mehreren ruhigeren Jahren die Bemühungen, mit – soweit absehbar durchaus guten – Angeboten auf den Markt zu kommen. Sie werden damit aller Voraussicht nach wegen der Knappheit des Angebots auf eine gute Nachfrage stoßen, sowohl auf Seiten möglicher Nutzer wie auch auf Seiten interessierter Co-Investoren – auch aus unserem Umfeld bei Hörtkorn Finanzen.

Einige Immobilienteilmärkte – wie beispielsweise in Atlanta in den USA – zeigen demgegenüber ein stabiles Gesicht und eröffnen gute Möglichkeiten zur Diversifikation in andere Währungen und Rechtsräume bei gleichzeitig auskömmlichen und teilweise ungewöhnlich attraktiven Ertrags- und Gewinnprognosen. Ebenso wird der deutsche Immobilienmarkt (respektive Immobilienzweitmarkt) selektiv starke Performance Jahre vor sich haben, da es strukturelle Defizite im Wohnungsbau gibt. Hier eröffnen sich für Investoren Chancen, weil noch dazu im gewerblichen Bereich die Ankaufspreise inzwischen teilweise recht attraktiv geworden sind. Zuletzt – und noch für einige Zeit – hatten wir nach längerer Zeit wieder einen Immobilienfonds mit 5% Ausschüttung p.a. von einem guten Anbieter im Angebotsportfolio. Es ist einige Jahre her, dass wir für einen deutschen Immobilienfonds derartige Ausschüttungen erwarten durften.

Infrastruktur und Energie

Egal, wie man den Zustand der bundesdeutschen Infrastruktur beurteilt: Hier wird auch in Zukunft eine dauernde staatliche und privatwirtschaftliche Aufgabe liegen. Vor allem der enorme Energiebedarf für den Bereich Künstlicher Intelligenz legt einen weiteren, kontinuierlichen Ausbau der vorhandenen Infrastruktur nahe. Gleichzeitig gilt es, die damit verbundenen Energiekosten so niedrig wie möglich zu halten, um im internationalen Wettbewerb nicht abgehängt zu werden.

Privatwirtschaftliche Initiativen zur Energieerzeugung und entsprechende Infrastrukturanlagen werden daher unserer Einschätzung nach weiterhin gefragt sein. Auch das Thema Nachhaltigkeit wird uns weiterhin begleiten, entsprechende Angebote werden staatlicherseits Präferenz erhalten und mit Förderungen rechnen können.

Private Equity: außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen

Die Privatwirtschaft in Deutschland kämpft mit hohen Energiekosten sowie hohem Verwaltungsaufwand aufgrund einer zunehmenden Bürokratie. Deutsche Kernindustrien wie die Automobilindustrie stehen vor enormen transformatorischen Aufgaben. Dennoch war und ist es der deutsche Mittelstand, der immer noch und immer neu für Innovation, Effizienz und Präzision steht.

Ob es hier echter Entlastungen oder „nur“ des Ausräumens unnötiger Hindernisse bedarf, sei dahingestellt – wir sind überzeugt, dass in den privatwirtschaftlichen mittelständischen Initiativen nach wie vor das höchste Potenzial liegt, die zahlreichen anstehenden Aufgaben tatsächlich zu bewältigen. Der Ausbau des Portfolios im Bereich Private Equity sollte daher für Investoren das Gebot der Stunde sein.

Wir freuen uns, in diesem Bereich auch außerdeutsche Beteiligungen offerieren zu können. Im Sinne einer krisenresistenten Diversifikation sind selektierte Investments in andere europäische Märkte und die USA immer eine Erwägung wert.

Über alle Sektoren und Märkte hinweg wird es unserer Einschätzung nach außerdem weiterhin die von uns in letzter Zeit häufiger begleiteten Sondersituationen geben: Einzelobjekte, die aus verschiedenen Gründen unterhalb des Marktpreises einen Einstieg erlauben, sich aber mit guten Perspektiven verbinden.

Die Zwickmühle der Politik

Jeder der genannten Bereiche benötigt und erwartet Impulse von der neuen Bundesregierung. Gleichzeitig ist klar: Impulse welcher Art auch immer kosten Geld. Der Staat braucht also entweder ein Plus auf der Seite der Steuereinnahmen, ein Minus an irgendeiner Stelle der Ausgaben, oder aber das vieldiskutierte Ausweiten der Schuldenaufnahme. Jedes Mittel verbindet sich mit Vor- und Nachteilen, hat Auswirkungen auf alle anderen Bereiche, und stellt damit den Entscheider vor eine Art Zwickmühle:
Schulden bringen jetzt Geld, verringern aber mit den entsprechenden Zinszahlungen die zukünftigen Handlungsspielräume.

Höhere Steuereinnahmen weiten zwar für den Augenblick die staatlichen Interventionsmöglichkeiten aus, verringern aber die privatwirtschaftlichen. Bei einer ohnehin schon enorm hohen Abgabenbelastung verringern sie die Wettbewerbstauglichkeit, sind mithin also mittelfristig gesamtvolkswirtschaftlich sehr schädlich.

Niedrigere Ausgaben führen entweder zu größer werdenden sozialen Spannungen oder niedrigeren privaten Konsumausgaben, sofern sie den Sozialhaushalt betreffen. Oder aber zu geringeren staatlichen Impulsen, wenn sie die anderen Haushalte betreffen.

Und an welcher Stelle auch immer der Ansatzpunkt gewählt wird: Es wird Zeit brauchen, bis die Maßnahmen greifen. Sich dieses immer wieder vor Augen zu halten ist wahrlich wichtig. Investoren brauchen diesen Blick in die Zukunft und Zuversicht. So wie viele Fehlentscheidungen aus den 10er Jahren dazu führten, dass wir in Deutschland eine seit 2017 sinkende Industrieproduktion haben, die nunmehr auch in der Breite spürbar ist, so werden positive politische Impulse auch erst ihre Wirkung mit einigen Jahren Verzug entfalten können.

Welches Mittel am Ende von der neuen Regierung auch immer gewählt werden wird: Es steht für uns außer Frage, dass Staat und Privatwirtschaft Hand in Hand initiativ werden, um schnelle und effiziente Impulse für ein Erstarken der Wirtschaft auf die Beine zu stellen.

Hoher Anteil Industrieproduktion: Problem und Chance

Die meisten wissen, dass Deutschland einst Exportweltmeister war und weiterhin stark am Export hängt – sowohl mit den Kernindustrien, aber auch sehr viel mit deren Zulieferern und Outsourcing Partnern bis hinein in den Service- und Dienstleistungsbereich.

Was sich viele Investoren oft nicht vor Augen halten, ist der im internationalen Vergleich immer noch extrem hohe Anteil an Industrieproduktion in Deutschland. Hiervon wird sehr viel exportiert. Deutschland hat also neben den offenkundigen und täglich medial kolportierten Gründen wie dem Ukraine Krieg, Energiekosten, Wirtschaftspolitik usw. schlicht auch im Länderwettbewerb überdurchschnittlich stark darunter gelitten, dass international auch bei wichtigen Handelspartnern einige Jahre der relativen Schwäche und Unsicherheit hinter uns liegen.

Viele große Investitionen wurden daher (noch) nicht umgesetzt oder zumindest aufgeschoben, da fast überall auf der Welt erst die Pandemie, dann folgend Inflation, dann gestiegene Zinsen und mithin deutlich höhere Finanzierungskosten und nicht zuletzt geopolitische Verunsicherung Planungssicherheit genommen hatten.

Die Wirtschaft verläuft in Zyklen. Das war immer so und wird auch so bleiben. Es ist mithin unvermeidbar, dass sich der Knoten lösen wird. Die Frage ist nur wann und wie schnell.

Wir halten es für Anleger für bedeutsam, zu realisieren, dass Deutschlands Wirtschaft dann genau so überproportional profitieren wird, wie es die letzten Jahre überproportional unter diesen Schwächefaktoren im internationalen Geschäftsverkehr gelitten hatte.

Deswegen sind wir der Überzeugung, dass Anleger hinsichtlich der Entwicklungsmöglichkeiten Deutschlands durchaus zuversichtlich sein dürfen.

Fazit

Die Politik war und ist allgegenwärtig und nimmt langfristig natürlich massiven Einfluss. Sie ist aber nicht alles. Es gibt reichlich Gründe für die Zuversicht, dass sich die Situation für Investitionen global in den kommenden Jahren erholen oder gar normalisieren wird. Denn die Pandemie ist überstanden, Unternehmen und Staaten haben sich an das neue Zinsniveau angepasst, und die Inflation ist deutlich zurückgekommen. Auch die tiefe wirtschaftliche Krise in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, nämlich China, hat scheinbar den Tiefpunkt hinter sich.

Wir möchten noch einmal die Vorbemerkung zu den verschiedenen Märkten aufgreifen: Als Sachwert-Investor ist der Planungshorizont länger als die nächste Legislaturperiode. Vielleicht hilft es uns vor diesem Hintergrund, die Bedeutung der politischen Entscheidungen nicht zu hochzuhängen, und mit einem gewissen Grundvertrauen in die Zukunft täglich unsere eigenen Wahlen zu treffen: Langfristige, sinnvolle, gut kalkulierte, qualitätsgeprüfte Investments für das eigene Vermögensportfolio. Wenn diese noch diversifiziert zusammengestellt sind und man sich den in der Regel immanenten Inflationsschutz vor Augen hält, kann man zumindest für Ruhe im Portfolio sorgen.

Geschäftsführer von Hörtkorn Finanzen - Herr Friedenauer

Peter Friedenauer
Geschäftsführer
Hörtkorn Finanzen GmbH

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März 2025

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Sabrina Kramer - Leiterin Investorenbetreuung
Sabrina Kramer - Leiterin Investorenbetreuung