Gastbeitrag von Julien Zornig, Managing Partner Astorius, zum aktuellen Marktumfeld Private Equity

Die Abkehr von der Börse

In den letzten Jahren hat sich ein bemerkenswerter Trend in der Unternehmenslandschaft herauskristallisiert: die Abkehr von der Börse. Ein Börsengang („IPO“, Initial Public Offering) war bis zur Finanzkrise 2008 noch ein hohes Ziel für viele Unternehmer. Seit über 15 Jahren aber entscheiden sich Unternehmer eher, privat zu bleiben, anstatt an die Börse zu gehen. Dazu kommen weltweit Hunderte Unternehmen, die ihre Börsennotierung beenden.

Julien Zornig spricht auf dem Partner X Event in Hamburg.

Ein aktuelles Beispiel ist Gerresheimer, ein führendes Unternehmen in der Verpackungs- und Medizintechnikbranche. Dieses De-Listing könnte verschiedene Gründe haben, darunter strategische Neuausrichtungen oder die Entscheidung, sich auf private Investitionen zu konzentrieren. Damit wäre ein M-DAX Unternehmen weniger öffentlich investierbar. Seit dem Rekordniveau von 761 gelisteten Unternehmen in Deutschland hat sich diese Zahl knapp halbiert seit 2007.

Dieser Wandel wird oft mit dem Slogan „Private is the new public“ zusammengefasst und spiegelt eine tiefgreifende Veränderung in der Art und Weise wider, wie Unternehmen finanziert und geführt werden.

Anzahl börsennotierter Unternehmen (D, UK und USA)

Traditionell galt der Börsengang (IPO) als ein bedeutender Meilenstein für Unternehmen, da er nicht nur Kapital beschaffte, sondern auch Prestige und Sichtbarkeit auf dem Markt verlieh. Doch die Herausforderungen, die mit dem öffentlichen Status einhergehen – wie strenge regulatorische Anforderungen, erhöhte Transparenzpflichten und der Druck, kurzfristige Ergebnisse zu liefern – haben viele Unternehmen dazu veranlasst, alternative Wege der Finanzierung zu erkunden.

Private Equity und Venture Capital haben in diesem Kontext an Bedeutung gewonnen. Investoren sind bereit, in vielversprechende Unternehmen zu investieren, ohne dass diese den Druck eines öffentlichen Marktes spüren müssen. Dies ermöglicht es den Unternehmen, langfristige Strategien zu verfolgen und Innovationen voranzutreiben, ohne sich ständig um die Schwankungen des Aktienmarktes oder um die gesetzlich verpflichtenden Quartalsmeldungen kümmern zu müssen.

Ein weiterer Faktor, der diesen Trend unterstützt, ist die zunehmende Verfügbarkeit von Kapital in der privaten Finanzierungslandschaft. Mit der wachsenden Zahl von Investoren, die nach attraktiven Anlagemöglichkeiten suchen, können Unternehmen oft bessere Konditionen und flexiblere Vereinbarungen aushandeln, als es an der Börse möglich wäre.

Die Aktie als Instrument unternehmerischen Investierens wird also immer mehr ein Zugang zu supranationalen Konzernen, die auf die Börse nicht verzichten können. Aktieninvestoren verzichten damit auf 99% unternehmerischer Tätigkeit, die sich abseits der Börse findet.

Anzahl Private Equity Beteiligungen weltweit

Im selben Zeitraum hat sich die Zahl der Unternehmen in Private Equity Hand fast verzehnfacht. Diese Entwicklung wird allerdings weder in der medialen Öffentlichkeit noch in den Portfolien vieler Investoren adäquat widergespiegelt.

Zusammenfassend lässt sich sagen,
dass der Trend „Private is the new public“ nicht nur eine Reaktion auf die Herausforderungen des öffentlichen Marktes ist, sondern auch eine Chance für Unternehmen, sich auf nachhaltiges Wachstum und Innovation zu konzentrieren. In einer Welt, in der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit entscheidend sind, könnte dieser Paradigmenwechsel weitreichende Auswirkungen auf die Zukunft der Unternehmensfinanzierung haben.

FĂĽr Anleger bleiben Private Equity Investments als Zugang zu kleineren, wendigen und gestaltbaren Unternehmen ein immer unverzichtbarer Baustein einer ausgewogenen Allokation.

Julien Zornig
Managing Partner Astorius

Wir danken Herrn Zornig fĂĽr seinen Gastbeitrag!

P.S. Die FondsschlieĂźung der Astorius Capital Fonds ACF IX Nordamerika und ACF X Europa erfolgt zum 15.03.25. Sie haben Interesse? Kurze Antwort-Mail an info@hoertkorn-finanzen.de genĂĽgt fĂĽr weitere Informationen.

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Februar 2025

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Sabrina Kramer - Leiterin Investorenbetreuung
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