Fokus Handelsimmobilien-Konzepte:

Die unterschiedlichen Chancen und Herausforderungen der einzelnen Handelsimmobilien

Investoren in Gewerbeimmobilien kennen die Wirklichkeit hinter dem Spruch „Handel ist Wandel“ oft aus einer gewissen leidvollen Erfahrung. Zunächst wird in ein momentan gängiges Handelsimmobilienformat wie ein Shoppingcenter oder ein Fachmarktzentrum investiert, aber schon nach wenigen Jahren tauchen plötzlich Probleme auf. Die Nachfrage sinkt, der Standort scheint an Attraktivität zu verlieren, das Angebot im Internet bietet in Verknüpfung mit Lieferdiensten günstige Alternativen zum Einkauf vor Ort. Die Konsequenz: Entweder nimmt man eine mehr oder weniger deutlich reduzierte Rentabilität in Kauf oder man muss mit Umbaumaßnahmen – ggfs. In Verbindung mit zusätzlicher Liquidität – das jeweilige Objekt den Erfordernissen der Zeit anpassen.

Doch die pauschale Aussage, der Handel sei unter Druck, greift zu kurz. Vielmehr zeigt sich, dass es nicht DIE EINE Handelsimmobilie gibt, sondern eine Vielzahl unterschiedlicher Konzepte mit jeweils eigenen Perspektiven: der Einzelhändler, der reine Nahversorger, das Shoppingcenter, das Fachmarktzentrum, aber auch Hybrid-Formen mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten.

Einzelhandelsflächen,

etwa ein einzelner Supermarkt, Discounter oder ein non-food-Filialist wie H&M oder Deichmann, zeichnen sich durch eine schlanke Struktur und häufig langfristige Mietverhältnisse mit etablierten Ketten aus. Sie sind in der Verwaltung unkompliziert, bergen jedoch ein erhöhtes Klumpenrisiko. Fällt der einzige Mieter weg, steht die Fläche leer – und eine Nachvermietung ist nicht immer leicht, vor allem bei älteren Objekten oder in Lagen mit rückläufiger Frequenz.

3 Mrd. Euro Investments im ersten Halbjahr 2025
Aktuelle Marktdaten zeigen, dass sich dieser Bereich nach wie vor schwertut: Im Retail-Segment wurden im ersten Halbjahr 2025 bundesweit nur rund 3 Milliarden Euro investiert, ein Rückgang von 19% im Vergleich zum Vorjahr. Besonders Einzelhandelsobjekte außerhalb etablierter Lagen verzeichnen eine schwache Investorennachfrage, während Lebensmittelmärkte und Discounter mehr Stabilität bieten.

Nahversorger Konzepte unverändert robust – trotzdem mit Anpassungsbedarf

Beim (isolierten) Nahversorger kann man auf eine gewisse Robustheit vertrauen, weil Nahversorgung die existenziellen Grundbedürfnisse der Menschen bedient. Allerdings treten Lieferdienste zunehmend in Konkurrenz, außerdem machen dem Segment oft veraltete Gebäude und Renovierungsstau zu schaffen.

Nahversorgungszentren

dagegen gelten als robuste Säule im Markt. Sie bündeln systemrelevante Anbieter wie Supermärkte, Drogerien, Apotheken, Bäckereien oder kleinere Dienstleister und sind meist wohnortnah angesiedelt, entweder in urbanen Quartieren oder suburbanen Einzugsgebieten. Ihre Stärke liegt in der Beständigkeit: Grundbedürfnisse verschwinden auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht. Herausforderungen ergeben sich jedoch durch begrenzte Expansionsflächen, teilweise überholte Gebäudestrukturen und die wachsende Konkurrenz durch Lieferdienste.

Trotz des schwachen Gesamtmarkts gelten Nahversorger weiterhin als bevorzugte Zielobjekte institutioneller Anleger, da sie sich in Krisenzeiten als ausgesprochen resilient erwiesen haben. Auch im aktuellen Umfeld mit schwächelnder Konjunktur bleiben sie gefragt, wenngleich zunehmend Lagen außerhalb der Top-7-Städte in den Fokus rücken, wo Renditen stabiler bleiben.

Eine weitere Kategorie bilden die groß dimensionierten

Shoppingcenter,

einstige Prestigeprojekte mit hohem Erlebniswert, heute zunehmend unter kritischer Beobachtung. In vielen Städten ist die Besucherfrequenz rückläufig, auch weil der Erlebnischarakter nicht mehr ausreicht, um den digitalen Einkauf im Schwerpunktbereich Textilien zu ersetzen. Hinzu kommen steigende Betriebskosten, komplexes Management und teils veraltete Flächenkonzepte, die dem modernen Bedürfnisprofil der Kunden und Besucher angepasst werden müssen.

Chancen bieten sich hier vor allem durch eine kreative gemischte Nutzung, zum Beispiel in Verbindung mit Wohnen, Gesundheit oder Freizeit.

Laut den aktuellen Zahlen verharrt die Investorennachfrage in diesem Teilsegment auf einem im historischen Vergleich deutlich reduziertem Niveau. Viele große Center werden derzeit nicht aktiv vermarktet oder nur mit Preisabschlägen veräußert, was sich auch in der moderaten Entwicklung der Immobilienpreise zeigt.

Fachmarktzentren,

meist am Stadtrand gelegen, sind mit großflächigen Handelsnutzungen wie Baumärkten, Möbelhäusern oder Elektrohändlern besetzt.

Ihre Stärken sind günstige Mieten, Pkw-Erreichbarkeit und einfache Strukturen. Gleichzeitig fehlt es häufig an Aufenthaltsqualität für die Kunden und Besucher und Flexibilität in der Nutzung der Immobilien. In Zeiten hoher ESG-Anforderungen und eines zunehmenden Fokus auf Urbanität werden diese Standorte künftig stärker in der Pflicht stehen, sich konzeptionell weiterzuentwickeln.

Im aktuellen Marktumfeld gelten Fachmarktzentren als leicht stabilisierendes Element. Sie bieten im Vergleich zu Shoppingcentern aufgrund der eingeschränkteren Nutzungsmöglichkeiten deutlich höhere Bruttorenditen (teilweise 6 % p.a. auf die Ankaufspreise und mehr) und sind vor allem bei Value-Add-Investoren gefragt. Analysten gehen davon aus, dass sich diese Assetklasse schneller vom Preisverfall der Jahre 2022–2024 erholt, insbesondere bei Standorten mit starken Mietern aus dem Bereich Lebensmittel- oder Baumärkten.

Die bisher genannten Kategorien von Handelsimmobilien können als die „Klassiker“ bezeichnet werden. Sie alle stehen vor mehr oder weniger großen Herausforderungen:

  • Oft veraltete Bausubstanz,
  • Konkurrenzdruck durch Onlineplattformen,
  • Veränderung der Erlebnispräferenzen beim Kunden- und Besucherkreis,
  • Betriebskostendruck, Personalmangel und teils komplexes Management.

Daher nehmen hybride Zwischenformen eine immer wichtigere Rolle ein – Mischkonzepte aus Nahversorgung, Dienstleistungen, Gesundheit, Gastronomie und weiteren ergänzenden Nutzungen. Diese Objekte bilden reale Lebenswelten ab und funktionieren oft als Mikrozentren im Stadtraum. Ihre Vorteile liegen in der Diversifikation der Mieterschaft, der Alltagsrelevanz für die Kunden und Besucher und der damit hohen Besuchsfrequenz. Gleichzeitig erfordern sie eine präzise und innovative Managementleistung, da unterschiedliche Nutzergruppen, technische Anforderungen und Vertragsarten aufeinandertreffen.

Eine derzeit neu entstehende Kategorie kann als „das urbane Versorgungszentrum“ bezeichnet werden.

Eine neu entstehende Hybridform: Das urbane Versorgungszentrum

Bei einem urbanen Versorgungszentrum handelt es sich um eine moderne Form der Einzelhandelsimmobilie, die auf die alltägliche Grundversorgung der Bevölkerung in innerstädtischen oder stadtzentrumsnahen Lagen ausgerichtet ist. Es handelt sich um eine Immobilie mit mehreren Nutzungsarten und Nutzern (Multi-Tenant-Struktur), in der vor allem lebensnahe Angebote gebündelt sind – etwa KiTas, Supermärkte, Drogerien, Bäckereien, Apotheken, Ärzte und medizinische Dienstleister, Fitnessstudios, Indoor-Spielparks, Gastronomiebetriebe oder auch Nahversorger wie Postfilialen oder Paketshops und andere relevante stationär notwendige Anlaufpunkte des Alltags. Wichtig sind natürlich auch genügend Pkw-Parkplätze.

Der Fokus liegt auf funktionalem Nutzen, nicht so sehr auf dem Erlebnischarakter oder gar Luxus. Die Kunden kommen gezielt für bestimmte Anliegen:

  • das Kind in die KiTa bringen,
  • das Fitnessstudio nutzen,
  • in der Apotheke etwas abholen,
  • einen Arzttermin wahrnehmen,
  • einen Versorgungseinkauf erledigen,
  • das Auto abstellen für einen Gang in die Innenstadt,
  • uvam.

Der Kontaktanlass zum Versorgungszentrum bietet somit die naheliegende Gelegenheit für weitere Erledigungen in der breiten Palette der hier angesiedelten Angebote (Geld abheben, schnell noch etwas einkaufen, eine Kleinigkeit essen, …). Darüber hinaus sorgen die verschiedenen Angebotskategorien (Büro, Arztpraxis, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeit, Fitness- und Freizeitaktivitäten, Parkplatz, …) für einen Betrieb und entsprechende Umsätze weit über die gewöhnlichen Ladenöffnungszeiten hinaus, teilweise rund um die Uhr 24/7.

Dies sorgt für eine erhöhte Besuchsfrequenz durch Alltagsrelevanz in der Lebensrealität der Menschen und für die Betreiber und Investoren stabile Mieteinnahmen und eine risikoärmere Vermietungsstruktur.

Merkmale urbaner Versorgungszentren:

  • Zentrale oder stark frequentierte Lage (meist urban oder suburban),
  • Mieterstruktur aus systemrelevanten Branchen (z. B. Lebensmitteleinzelhandel, Gesundheit, Dienstleistungen, Parken),
  • Hohe Erreichbarkeit, auch zu Fuß oder mit dem ÖPNV,
  • Begrenzte Verkaufsflächen pro Mieter und breite Mieterstreuung (häufig „nur“ 300–2.000 m² pro Mieter),
  • Klare Orientierung an Alltagsrelevanz, begleitet von Elementen der Freizeitorientierung.

Urbane Versorgungszentren treten damit unseres Erachtens die wertstiftende Nachfolge des klassischen Shoppingcenters an, das an manchen Standorten durch die Konkurrenz aus dem Internet in eine Krise geraten ist.

Der Logik folgend bemühen wir uns gerade darum, ein unseres Erachtens sehr attraktives Investmentangebot in eines dieser zukunftsfähigen Konzepte exklusiv für unsere Investoren anbieten zu können. Durch das schlechte Momentum der letzten Jahre in diesen Segmenten der Handelsimmobilien, bietet sich eine ungewöhnliche Gelegenheit, hochprozentig das Portfolio mit einem innovativen Konzept zu ergänzen.

Wenn Sie also zu einem Pionier-Investor im Bereich Urbanes Versorgungszentrum werden möchten, melden Sie sich gerne bei uns – wir arbeiten an einem attraktiven Angebot in diesem Segment! Wir hinterlegen dann entsprechend, dass Sie als erstes informiert werden.

Die aktuellen Marktentwicklungen bestätigen die in unserer Analyse beschriebenen Trends:
Urbane Versorgungszentren etablieren sich zunehmend als stabile und nachhaltige Form der Handelsimmobilie – geprägt durch langfristige Mieter, frequenzstarke Standorte und regionale Versorgung.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist das Projekt „HL Invest neustädter Gießen“, das die erfolgreiche Umsetzung dieses Konzepts eindrucksvoll veranschaulicht.

Axel Hermann, Prokurist Hörtkorn Finanzen

Axel Hermann
Prokurist
Hörtkorn Finanzen GmbH

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November 2025

*gemäß Prognoserechnung

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Sabrina Kramer - Leiterin Investorenbetreuung
Sabrina Kramer - Leiterin Investorenbetreuung