Gastbeitrag Thomas Weinmann exklusiv – Private Equity Insider

Einblicke in 27 Jahre Erfahrungen als Berater, erfolgreicher Investor und Private Equity Fondsmanager

Thomas Weinmann ist CEO und Managing Partner des Dachfondsanbieters REIA Capital, der sich auf Investments in Small und Lower Mid Cap Private Equity Fonds spezialisiert hat. Zudem berät er als Verwaltungsrat mehrere Single Family Offices bei deren Kapitalanlagen.

Bereits direkt nach seinem Betriebswirtschaftsstudium machte er ab 1997 erste Schritte im Private Equity, als er im sog. Leverage Finance – der Finanzierung von Private Equity Transaktionen – beim damaligen deutschen Marktführer Dresdner Kleinwort startete.

Im Nachgang an die Strukturierung der Finanzierung der ersten deutschen Transaktion mit einem Kaufpreis von über 1 Mrd. Euro (Friedrich Grohe AG) wechselte Thomas Weinmann zum Private Equity Fonds BC Partners und war an mehreren Unternehmenstransaktionen und über 20 Zusatzakquisitionen mit einem Gesamtwert von ca. 8 Mrd. Euro beteiligt. In dieser Zeit wirkte er u.a. an mehreren Börsengängen und -rückzügen von Unternehmen mit und übernahm Aufsichtsratsmandate in mehreren Unternehmen.

Thomas Weinmann

2012 wechselte er von der Direktinvestmentseite ins Private Equity Fondsinvestmentgeschäft. Seither hat er sich auf das Segment der Small und Lower Mid Cap Fonds fokussiert. Dort sieht Thomas Weinmann die höchsten Renditepotentiale für Private Equity Investments. Hierfür sind mannigfaltige Kenntnisse und Erfahrungen zum Finden und Prüfen von Zielfondsmanagern erforderlich.

Bis heute ist Thomas Weinmann vom Mehrwert von guten Private Equity Investments überzeugt und investiert stets einen großen Teil seines privaten Anlagevermögens in die von ihm und seinem Team gemanagten Fonds.

Warum sollte Private Equity ein fester Bestandteil in den Portfolien von Privatanlegern sein?

Private Equity ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der Investmentportfolios von großen Investoren. Diese Anlageform stellt neben Venture Capital und Aktienanlagen die dritte Möglichkeit von Unternehmenskapitalbeteiligungen dar. In Abgrenzung zu den beiden anderen Kapitalanlageformen handelt es sich bei Private Equity Investitionen regelmäßig um Beteiligungen an etablierten Unternehmen, deren Anteile nicht an einer Börse notiert sind.

Warum ist für institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Lebensversicherungen und Stiftungen eine Kapitalanlage im Private Equity seit langem ein fester Bestandteil ihrer Portfolien?

Private Equity-Anlagen haben in den letzten Jahrzehnten deren Investoren kontinuierlich mit Überrenditen im Vergleich zu Aktien-Anlagen und anderen Anlageformen erfreut. Dies hat mehrere Gründe.

Thomas Weinmann: „An meiner Arbeit als Private Equity Fondsmanager reizte mich die Vielfältigkeit der Arbeit. So habe ich viele Branchen analysiert und mich diversen Herausforderungen, z.B. zu Zeiten der globalen Finanzmarktkrise oder im Nachgang von Börsengängen, gestellt. Diese langjährigen Erfahrungen nutze ich heute bei der Prüfung von Private Equity Fonds und ihrer Teams.“

Nachhaltige Gewinnsteigerungen bei ihren Unternehmensbeteiligungen stehen im Fokus der Private Equity Fonds

Regelmäßig agieren Private Equity Fonds als Mehrheitseigentümer. Dies ermöglicht ihnen, einen direkten Einfluss auf das Management und die Strategie der erworbenen Unternehmen auszuüben. Hierin sind sich Familienunternehmer und Private Equity Fondsmanager sehr ähnlich. Bei Familienunternehmen steht jedoch nicht ein späterer Verkauf des Unternehmens im Fokus. Dies ist bei Private Equity Fonds anders. Sie planen regelmäßig die erworbenen Unternehmen nach einer Halteperiode von 3-5 Jahren mit Gewinn weiterzuverkaufen. Dann werden die resultierenden Erlöse an ihre Investoren ausgeschüttet. Zur Gewinnmaximierung ist eine schnelle Transformation der erworbenen Unternehmen und eine damit einhergehende nachhaltige Ergebnissteigerung notwendig. Reines Financial Engineering kann dies jedoch heute nicht mehr leisten.

Im Private Equity veranschaulicht man die Entwicklung des Eigenkapitalwertes in sog. „Value Creation Bridges“:

Grafik: Wertsteigerungspotentiale, REIA Capital

Quelle: REIA Capital, vereinfachte Darstellung für Transaktionen im Small und Lower Mid Cap Private Equity Segment.

Zur Umsetzung dieser Unternehmenswertsteigerungen agieren gute Private Equity Fondsmanager heute sehr strukturiert und greifen auf einen prall gefüllten Werkzeugkasten mit möglichen Verbesserungsmaßnahmen zurück. So wird direkt im Anschluss an einen Unternehmenskauf mit der Unternehmensgeschäftsführung ein sog. 100-Tage-Plan erstellt. Dieser ist ein unternehmensspezifisches Maßnahmenpaket zur operativen Verbesserung sowie strategischen Weiterentwicklung der Unternehmen für die nachfolgenden Jahre.

Grafik: Professionalisierung Management, REIA Capital

Quelle: REIA Capital; vereinfachte Darstellung

Häufig enthalten diese Pläne operative Verbesserungen auf der Vertriebsseite, im Einkauf, in der Produktion und im Reporting. Seit einigen Jahren sind wichtige Bestandteile auch Digitalisierungsmaßnahmen sowie der Einsatz der künstlichen Intelligenz. Neben diesen Ergebnisverbesserungsmaßnahmen werden auch Möglichkeiten zur Optimierung der Cash Flows, wie beispielsweise eine Reduzierung des Working Capitals, genutzt.

Ergänzend zu diesen operativen Verbesserungspotenzialen tritt eine strategische Weiterentwicklung der Unternehmen. Hierbei kann es sich sowohl um eine regionale Expansion als auch um eine Vergrößerung des Produktportfolios handeln. Teilweise kann man diese Potenziale durch Investitionen heben. Regelmäßig werden sie aber durch sog. Zusatzakquisitionen beschleunigt, d. h. aus dem ursprünglich erworbenen Unternehmen werden durch weitere ergänzende Unternehmenskäufe dann größere Unternehmen geformt. Regelmäßig ist für die Finanzierung dieser Wertsteigerungen noch die Bereitstellung von zusätzlichem Eigenkapital durch die Private Equity Fonds nötig.

In Ausnahmefällen verändern Private Equity Fonds aber auch die Strategie der erworbenen Unternehmen durch eine Aufteilung in zwei oder mehrere Einheiten, die für sich genommen dann jeweils eigenständig agieren und dadurch eine größere Wachstumsdynamik entfalten sollen.

Bei kleineren Unternehmen kommt dann noch ein weiterer Wertsteigerungshebel zum Tragen. Im Private Equity steigen regelmäßig die Bewertungsmultiplikatoren mit zunehmender Unternehmensgröße. Bei gleichbleibendem Zinsumfeld profitieren dann Private Equity Fonds, die in kleinere Unternehmen investieren und als größere Unternehmen später weiterverkaufen zusätzlich.

Grafik: Bewertungsmultiplikatoren, Bain & Company

Quelle: Bain & Company, Global Private Equity Report 2023 (S. 14).

Thomas Weinmann: „Wir denken: „Small is beautiful.“ Die REIA Capital Fonds haben sich auf Beteiligungen an Small und Lower Mid Cap Private Equity Fonds fokussiert. Bei Beteiligungen an kleinen Unternehmen sehen wir die höchsten Renditepotenziale. Zum Finden und Prüfen dieser Private Equity Fondsmanager benötigt man jedoch die richtigen Netzwerke und sehr viel Erfahrung.“

Interessengleichklang treibt Verbesserungsmaßnahmen

Die Private Equity Fondsmanager agieren regelmäßig im Interessengleichklang mit ihren Investoren. GP-Commitments (Eigeninvestment) in Verbindung mit dem Carried Interest (Gewinnbeteiligung) sind wichtige Bestandteile des Investmentansatzes im Private Equity. So erwarten Fondsinvestoren von den Private Equity Fondsmanagern ein Eigeninvestment (sog. GP-Commitment) in die eigenen Fonds; ganz nach dem englischen Ausspruch „Put your money where your mouth is!“. Dies soll die handelnden Fondsmanager dazu motivieren, keine übertriebenen Risiken zulasten der Fondsinvestoren einzugehen, da sie persönlich auch Verluste mittragen müssten. Verbunden mit einer (Über-) Gewinnbeteiligung für die Fondsmanager (sog. Carried Interest) stellt dies eine zusätzliche Motivation dar. Carried Interest fällt jedoch erst bei realisierten Gewinnen und nach Überschreiten einer Mindestverzinsung (sog. Hurdle Rate) an.

Regelmäßig wird dieser Ansatz auch auf das Management der Portfoliounternehmen ausgeweitet. Dieses muss sich mit Kapitaleinzahlungen an den von ihnen geleiteten Unternehmen beteiligen und es erhält eine höhere Kapitalverzinsung – das sog. Sweet Equity – als die Fondsinvestoren. Geht die angestrebte Strategie jedoch nicht auf, so verlieren Unternehmensmanager u.U. ihr gesamtes persönliches Investment in das von ihnen geleitete Unternehmen. Dieses Anreizmodell ist sehr viel kapitalistischer als die Nutzung von Aktienoptionen für Vorstände börsennotierter Unternehmen. Dort profitieren die verantwortlichen Vorstände vom Upside, partizipieren jedoch nicht am Downside ihrer Handlungen.

Worauf kommt es bei guten Private Equity Investments an?

Zunächst muss man als Anleger bei Private Equity Investments einen Zugang zu den bestmöglichen Private Equity Fonds haben. Meist scheitert aber ein Investment bereits am einfachen Zugang zu Private Equity Fonds. So liegen Mindestzeichnungen pro Private Equity Fonds regelmäßig bei 5-10 Mio. Euro. Zudem sollten Investoren über einen längeren Zeitraum in mindestens 20 Private Equity Fonds investiert sein, um durch eine sinnvolle Diversifikation Einzelrisiken zu reduzieren. Ein direktes, diversifiziertes Investment in dieser Anlageklasse steht somit Kapitalanlegern regelmäßig erst ab einem Vermögen von 500 Mio. Euro zur Verfügung.

Ein weiterer Punkt ist vielen Investoren nicht bewusst. Anders als bei Aktienanlagen ist die Streuung der Investmentrenditen im Private Equity sehr hoch. Deshalb sollte nicht der reine Zugang zu Private Equity Fonds, sondern realistische Renditeerwartungen der Hauptgrundauswahlgrund für einen spezifischen Private Equity Fonds sein. Dies erfordert in der Prüfung von Private Equity Fondsmanagern entsprechende Erfahrung und Marktkenntnisse.

Grafik: Renditestreuung im PE, PREQIN 2024

Quelle: PREQIN (2024). PE Small Cap Fonds mit weniger als 0,5 Mrd. USD Fondsvolumen, PE Mid Cap Fonds mit 0,5-1,5 Mrd. USD Fondsvolumen, PE Large Cap Fonds mehr als 1,5 Mrd. USD Fondsvolumen. Die obere Dezils- bzw. Quartilsgrenze gibt die Mindestrendite an, die die besten 10% bzw. 25% der betrachteten Fonds erzielen.

Dachfonds als beste Option für langfristig orientierte Privatanleger

Kleineren Anlegern steht regelmäßig ein direkter und diversifizierter Zugang zu Private Equity Fonds nicht zur Verfügung. Deshalb müssen sich kleinere Investoren sog. Zugangsmittler bedienen, die eine größere Anzahl von Investoren bündeln. Diese verursachen Kosten. Zur Diversifikation können sie auf Dachfonds zurückgreifen und bereits mit einem Investment eine größere Anzahl von Private Equity Fondsanteilen erwerben. Neben der Diversifikation erzielen gute Dachfondsmanager höhere Renditen für ihre Investoren durch eine intensive Prüfung der Zielfonds. Sie sollten hierfür über eine langjährige relevante Investmenterfahrung verfügen und ihren Interessengleichklang durch ein Eigeninvestment in die eigenen Fonds unterlegen.

Grafik Investoren REIA Capital

Quelle: REIA Capital; vereinfachte Darstellung

Sind Private Equity Fonds von Vorteil für Volkswirtschaften?

In Deutschland wurde vielen die Existenz von Private Equity Fonds erst im Zusammenhang mit der Heuschreckendebatte vor fast 20 Jahren bewusst. Damals war die Branche noch sehr still und arbeitete im Verborgenen. Private Equity Fonds sahen keinen Vorteil von großer Publicity. Deutschland hatte damals zwar eine gewisse Bedeutung als Investmentstandort, war aber auf der Investorenseite deutlich unterentwickelt. Dies ist nicht nur in der häufig mangelnden Offenheit deutscher Investoren für Kapitalanlagen in Unternehmensanteilen geschuldet, sondern vor allem Ausfluss von eher unterentwickelten Pensionskassenregimen in Deutschland.

In den restlichen westlichen Volkswirtschaften ist die Altersvorsorge regelmäßig anders strukturiert. Dort fungieren Pensionskassen nicht als „Geldumverteilungseinrichtungen“, sondern als Kapitalanlageinstitutionen und haben deshalb eine möglichst renditeträchtige Investition der eingezahlten „Mitgliedsbeiträge“ im Fokus. Ähnlich agieren die großen internationalen Stiftungen, die zur Bedienung ihrer Stiftungszwecke langfristig Renditen auf ihre Kapitalanlagen erzielen müssen. Auf internationaler Ebene allokieren beide Anlegergruppen relativ hohe Beträge in Private Equity, die sogar 20% der jeweiligen Gesamtvermögen übersteigen können. Letztendlich profitieren dann von den Renditen dieser Private Equity Anlagen nicht anonyme Kapitalgeber, sondern beispielsweise Feuerwehrfrauen und -männer oder Studierende in New York. Ihre Kolleginnen und Kollegen aus München und Hamburg können nur darauf bauen, dass immer genügend staatliche Zuschüsse für Pensionen oder Universitäten gewährt werden.

Aufgrund des Fokus auf operative Verbesserungen – insbesondere auf Umsatzsteigerungen – nehmen Private Equity Fondsmanager noch eine weitere wichtige gesamtwirtschaftliche Rolle ein. Hiervon profitieren die Unternehmen und damit deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, da wachsende Unternehmen auch sichere Arbeitsplätze bedeuten. Dies kommt auch über Steuern und Abgaben den jeweiligen Staaten, in denen die Unternehmen angesiedelt sind, zugute.

August 2024

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Peter Friedenauer
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Sabrina Kramer - Leiterin Investorenbetreuung
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