Das Feld außerbörslicher Unternehmensbeteiligungen ist breit, für manchen gar unübersichtlich. Wir haben einen erfahrenen Marktteilnehmer um ein Interview gebeten, um einen ersten Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten des Investierens in Private Equity (PE) zu geben.

Thomas Weinmann ist selbst CEO eines Private Equity-Anbieters (REIA Capital) und seit mehr als 25 Jahren in verschiedenen leitenden Positionen in der Branche tätig.

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Interview mit Thomas Weinmann, CEO REIA Capital, vom 30.06.2025

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Herr Weinmann, wenn man sich als Laie einen ersten Überblick über Private Equity (PE) verschaffen will und dazu womöglich sogar die neue Wunderwaffe KI befragt, liest man: „Beteiligungen im Bereich PE sind möglich als Direktbeteiligungen, Fondsbeteiligungen, Dachfondsbeteiligungen oder auch über den Erwerb von Aktien an PE-Gesellschaften.“

Rollen wir das Feld mal von seinen Extremen her auf: Was ist der Unterschied zwischen einer Direktbeteiligung und dem Erwerb von Aktien an einer PE-Gesellschaft?

Thomas Weinmann: Zunächst sind PE Investments sehr stark von der eigenen Vermögenssituation abhängig. Denn eine Direktbeteiligung kann und sollte man realistischerweise erst ab einem sehr großen Vermögen eingehen: Hier fährt man viel größere Risiken als bei anderen PE-Beteiligungsalternativen. Wenn man ein einziges Unternehmen als Investment hat, dann fehlt die Diversifikation. Also muss ich eine ganze Reihe von Direktinvestments machen, um überhaupt zu einer sinnvollen Streuung zu kommen.

Schauen wir auf der anderen Seite auf den Bereich Aktien von – ich nenne es jetzt mal – „PE-Themen“. Das ist ein sehr heterogenes Feld, denn die meisten dieser Aktien sind ja Beteiligungen an Fonds-Managementgesellschaften. Also eigentlich beteiligt man sich an einem Finanzdienstleister. Ähnlich könnte man die Aktie von einer Bank oder einer Versicherung erwerben. Das hat dann zwar ein bisschen was mit dem Geschäftsmodell PE zu tun, aber es heißt nicht, dass man an der Performance der von dieser Gesellschaft gemanagten Unternehmen partizipiert, sondern häufig nur an den Management-Fee-Einnahmen.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Mit anderen Worten – so richtig ist man dann gar nicht in PE investiert?

Thomas Weinmann: So kann man es sagen. Man könnte es vergleichen mit dem Kauf einer Aktie eines Bauunternehmens. Damit investiert man ja auch nicht in Immobilien. Es ist ein Trugschluss, sich über Aktien an einer PE-Gesellschaft zu beteiligen, denn mit dem eigentlichen Geschäftsmodell PE hat so ein Investment wenig zu tun.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Also, das eine ist nicht wirklich PE, das andere ist nur für Menschen mit einem sehr großen Vermögen. In der „Mitte“ zwischen diesen Extremen gibt es aber ja zwei weitere Möglichkeiten eines Investments im Bereich Private Equity, Fonds und Dachfonds. Können Sie uns diese beiden Möglichkeiten ein bisschen genauer vorstellen?

Thomas Weinmann: Fangen wir mit dem einfachen Fonds an. Hier hat man vor allem schon mal eine Streuung, in der Regel über 8-12 Zielunternehmen. Manchmal sind es nur 5, manchmal bis zu 30, aber in der Breite des Marktes sind es die genannten 8-12.
Dann hat man je nach Fonds eventuell noch eine Streuung über mehrere Länder, und möglicherweise auch über verschiedene Branchen, je nach der Strategie des Fondsmanagement-Teams.

Allerdings: Keine Streuung hat man beim Fondsmanagementteam. Wenn dieses Team sich während der Fondslaufzeit zerstreitet, ist man zwar schön an mehreren Unternehmen beteiligt, aber das Team funktioniert nicht mehr – mit häufig negativer Auswirkung auf die ganze Fonds-Performance.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Gibt es eine Lösung für dieses Problem bzw. diese Möglichkeit?

Thomas Weinmann: Der Profi-Investor im Bereich PE investiert nicht nur in einen Fonds, sondern über 4-5 Jahre in mindestens 10 Fonds, um eine Streuung der Fondsmanager zu haben. 4-5 Jahre, das ist in etwa der Zeitraum, in dem PE-Gesellschaften mit neuen Fonds und dem entsprechenden Fundraising auf den Markt kommen. Man kann auch mehr nehmen, aber ab dem Aufbau eines globalen Portfolios von mehr als 100 Fonds über eine Zeitdauer von 5 Jahren führt das zu einem anderen negativen Effekt: Man erhält spätestens dann eine zu breite Streuung, eine Überdiversifikation.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Oha, das habe ich ja noch nie gehört, dass man zu sehr diversifizieren kann. Was bedeutet das?

Thomas Weinmann: Im PE gibt es seit jeher eine sehr breite Streuung der erzielten Renditen. Wenn man beispielsweise in die besten 10% des europäischen Marktes, das sogenannte First Decile, investieren will, dann darf man eigentlich nur in maximal 20-30 pro Jahr investieren. Nur so kann man theoretisch bei 200-300 jährlich im Fundraising befindlichen Fonds in den besten 10% landen. Ob man das schafft, weiß man natürlich erst nachher. Aber wenn man nun in zu viele investiert, bewegt man sich bei der eigenen Rendite immer mehr zum Mittelwert hin. Wenn man quasi in die Hälfte des Marktes investieren würde, kann man nicht ausschließlich bei den besten 10% dabei sein.

In der Praxis sollte man also sehr selektiv sein, gleichzeitig nicht zu viele und nicht zu wenige Fonds wählen. Nehmen wir als Beispiel Europa, da sollte man in 6-10 Fonds pro Jahr investieren, ebenso in den USA. Also maximal 50 Fonds pro Region über 5 Jahre. Selbst wenn man nicht so vermögend ist, sind 10 Fonds eine sinnvolle Diversifikation pro Region.

Das Problem ist nun neben der richtigen Auswahl der Fonds, dass diese regelmäßig erst ab 5 Mio. Euro Mindestzeichnung für Investoren zugänglich sind. Dann sind Investoren bei 20 Fonds bei einem Zeichnungsvolumen von 100 Mio., die ausschließlich in Private Equity angelegt werden sollten. Bei einer Allokation von 10-20% des Gesamtanlageportfolios in Private Equity ist somit ein Direktinvestment in Fonds auch nur etwas für sehr vermögende Leute.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Womit wir bei der anderen Lösung wären, Ihrem Spezialgebiet: Private Equity Dachfonds.

Thomas Weinmann: Genau. In diesem Bereich, oder nehmen wir uns selbst als konkretes Beispiel, bekommen Sie über die Zeichnung eines Dachfonds den Zugang zu 10 Zielfonds. Die investieren ihrerseits über den normalen Zyklus von etwa 5 Jahren in Unternehmen, so dass man mit einem einzigen Investment von 200.000 bereits die empfohlenen 10 Fonds hat, und darüber indirekt das Investment in 90-100 Portfoliounternehmen. Das ist ein gesunder Start.

Wenn Sie dann noch über mehrere Jahre in verschiedene Dachfonds und Regionen investieren können, haben Sie die „gesündest-mögliche“ Aufstellung für ein Private Equity Portfolio. Hier reden wir von vermögenden Anlegern, die bereits ab einem Investment von 1 Million ein sinnvoll diversifiziertes Portfolio über mehrere Jahre aufbauen können.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Kommen wir noch zu einem weiteren wichtigen Thema im Zusammenhang mit PE-Fonds, den tatsächlichen Kapitalflüssen. Viele interessierte Investoren sagen: „Ok, ja, Private Equity ist wichtig und ich muss da was machen, aber ich will nicht gleich 200.000 investieren, sondern vielleicht eher so 50.000 im Jahr.“

Auch bei Ihren Dachfonds liegt die Schwelle bei 200.000 Euro. Was sagen Sie solchen Interessenten?

Thomas Weinmann: Bei PE Fonds haben wir einen großen Unterschied zu Aktienfonds: In PE braucht man relativ viel Zeit, bis ein Fonds auch nur ein einzelnes Unternehmen kaufen kann, da es sich regelmäßig um Mehrheitsbeteiligungen handelt. Man geht da nicht an die Börse und sagt: Hier ist der Scheck. Sondern man prüft die Unternehmen und diskutiert mit den Eigentümern, zum Teil auch sehr lange. Deswegen baut ein PE-Fonds sein Portfolio über einen Zeitraum von 4-5 Jahren auf, denn man kann nicht am Tag 1 der Fondslaufzeit alle Unternehmen sofort kaufen. Das geht schon technisch nicht, also von der Abwicklung der Prozesse her.

Deswegen ist ein Investment in einen PE-Fonds nichts anderes als ein Sparplan: Man kauft über 4-5 Jahre Unternehmen, meist so 2-3 pro Jahr, und das bedeutet für den jeweiligen Zeitpunkt des Kaufes einen Kapitalbedarf von ca. 20-30% des Fondsvolumens. Dieses Kapital wird auch erst dann von den Investoren abgerufen.
Bei einem Dachfonds, der in mehrere Zielfonds investiert, wird dieser Investmentfortschritt noch planbarer. So kommt es regelmäßig zu Kapitalabrufen von nur 10% alle 3-5 Monate. Das ist wie ein Sparvertrag.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Das heißt, die jährliche Größenordnung bewegt sich bei einer Zeichnung von 200.000 Euro um die…?

Thomas Weinmann: Wer 200.000 Euro zeichnet, zahlt alle 3-5 Monate 20.000 Euro ein und kommt im Jahr also realistischerweise auf 40.000-60.000 Euro. Das ist verdaubar, man muss eigentlich nicht so viel Cash vorhalten. Mehr als 30% im Jahr werden normalerweise nicht abgerufen.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Gut, das sind die Kapitalabrufe. Bedeutet ja, dass man erst nach 3 ½ Jahren beim vollen Abruf des gezeichneten Kapitals wäre, oder?

Thomas Weinmann: Ja, ich würde sogar eher sagen, nach 4-5 Jahren. Der maximale Kapitalabruf hängt aber auch vom Geschäftsmodell und der Größe der Unternehmen ab. Konkret: Wir machen ganz bewusst Small Cap, weil diese Unternehmen sehr viel schneller wachsen können und man schneller etwas in den Unternehmen bewegen kann. Wenn ein Unternehmen 100 Mitarbeiter hat, kann man schneller etwas bewegen als bei 10.000 Beschäftigten.

Dementsprechend passieren Veränderungen schneller bei kleineren Unternehmen. Und wenn man beim Verkauf ein Unternehmen auch nicht an die Börse bringen muss, sondern an einen anderen Investor verkaufen kann, funktioniert auch eine Realisation deutlich schneller und planbarer. Und so erhält letztlich auch der Investor schneller seine Rückflüsse. So kommt es, dass bei kleineren PE-Fonds durchaus schon nach 2 bis 3 Jahren die ersten Unternehmen wieder verkauft werden und man im Jahr 4 der Fondslaufzeit schon relativ viele Rückflüsse vorweisen kann.

Bei einem Dachfonds als Portfolio von Private Equity Fonds wird in der Spitze also gar nicht das gesamte Kapital abgerufen, weil der Dachfonds aus den ersten Rückflüssen Geld für weitere Zukäufe zurückbehält. Für die muss er das Kapital dann nicht mehr von den Investoren abrufen. Sobald der Dachfondsmanager kein Geld für weitere Einzahlungen in die Zielfonds mehr benötigt, geht dieser in die Ausschüttungsphase.

Das führt dazu, dass man häufig nur zwischen 80-90% der Zeichnungssumme tatsächlich einzahlt.

Die 200.000 Euro Mindestzeichnung sind also nicht nur schrittweise, sondern in aller Regel auch nicht in voller Höhe einzuzahlen.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Und das ist ein Spezifikum eines Small und Mid Cap Dachfonds, wenn ich Sie richtig verstanden habe?

Thomas Weinmann: Ja, genau. Je größer die Unternehmen sind, desto länger kann es mit dem Verkauf dauern, und damit auch mit den Mittelrückflüssen. Bei einem Large Cap Dachfonds kann es also durchaus sein, dass man 100% einzahlt.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Verstehe. Jetzt noch was ganz anderes. Herr Weinmann, am nächsten Donnerstag haben Interessenten die Möglichkeit, Sie bei einem sogenannten Business-Frühstück persönlich zu erleben und kennen zu lernen. Warum sollte man da Ihrer Meinung nach vor Ort sein?

Thomas Weinmann: Das Wichtigste im Bereich PE sind die handelnden Personen, die die Investments prüfen: Ein Investment sollte man nur mit Menschen tätigen, die derartige Investments schon selbst begleitet haben. Also erfahrene Investoren, die sich schon mal die Finger verbrannt, auch bereits tolle Überrenditen erzielt haben und mit eigenem Geld mit an Bord gehen.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Und dies alles trifft für Sie zu?

Thomas Weinmann: Ich war 13 Jahre selbst PE-Fondsmanager, habe an Unternehmenskäufen von über 8 Milliarden Euro maßgeblich mitgewirkt und auch schon zwei Börsengänge hauptverantwortlich begleitet. Wenn Sie also unter die Motorhaube von PE-Vehikeln schauen wollen, dann sollten Sie das am besten mit jemandem tun, der schon mal einen Motor gebaut hat. Gern erläutere ich dann außerdem, warum ich auch privat mein Geld in unsere Fonds investiere.

Hörtkorn Finanzen  Hörtkorn: Wenn das keine Einladung zum Business-Frühstück ist! Herr Weinmann, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte unser freier Mitarbeiter Johannes Martin Weise, 30.06.2025.

Am 15.07.2025 haben wir ein Webinar mit Herrn Thomas Weinmann veranstaltet:
Private Equity – Einblicke & Perspektiven mit REIA Capital – reinschauen lohnt sich!

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Sabrina Kramer - Leiterin Investorenbetreuung
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