Gastbeitrag:

Immobilienblase, Aktiencrash und nie wieder Zinsen

Das Team von Hörtkorn Finanzen arbeitet viel für die Qualität der Sachwertempfehlungen im Portfolio der Kunden. Zeitlich gesehen geschieht das meiste davon hinter den Kulissen. Tatsächlich sind Kundengespräche im Kontext unserer Arbeitszeit nur die Spitze des Eisbergs. Unter der Oberfläche werden Anbieterprüfungen gemacht und Märkte analysiert. Der breite Produktmarkt will analysiert sein, um die Rosinen für unsere Kunden zu finden – das erfordert Know-how und viel gewissenhafte Aufmerksamkeit.

Auf Einladung von Hörtkorn Finanzen gehe ich auf einige dieser Punkte heute für Sie in diesem Gastbeitrag ein. Ich mache das mit dem „Helikopter Blick“, also mit Abstand und möglichst objektiv. Ich möchte Ihnen vor allem auch Impulse geben, ein vollständigeres Bild als das von den Medien skizzierte zu sehen.

Meine Bewertungen und das jeweilige Fazit basieren auf meiner persönlichen Meinung, die durch meinen Investitionsbeirat mit geprägt wird. Diesem Investitionsbeirat gehören mehrere erfahrene Analysten, Portfoliomanager, Fondsselektoren und Experten zu globalen makroökonomischen Entwicklungen an.

Eines kann vorab gesagt werden:

Es lohnt sich, zu investieren. Selten war die Zeit für Investoren interessanter. Allerdings sollten Sie noch genauer hinschauen als in den letzten Jahrzehnten. Unser aller Welt und mit ihr die Anlageoptionen darin sind vielfältig und sie verlaufen heterogen. Wenn viele Investoren eine hohe Nachfrage auslösen und die Kapitalströme eine Anlagekategorie teurer gemacht haben, dann ist das Geld aus einer anderen Anlagekategorie abgeflossen. Diese Kategorie ist dann meist preiswerter. Das ist eine wichtige Dynamik, die Sie sich immer vor Augen halten sollten.

Mir ist es in meinen 25 Jahren Vermögensmanagement immer schon wichtig gewesen, dass jedem Investment ein echter Wert zugrunde liegt. Das ist die Grundlage des Investierens, alles andere ist spekulieren. Wenn Sie also in etwas investieren, was echten Wert hat und Ihnen laufende Erträge generiert, ist schon viel richtig gemacht. Wenn dann die Ertragsquelle noch dauerhaft beständig und plausibel ist, dann werden Sie meist viel Freude mit Ihren Anlagen haben. Das gilt unabhängig davon ob Aktie, Immobilie, Infrastruktur, Private Equity oder auch Anleihen oder Gold.

Starten wir mit der wichtigsten Anlagekategorie des globalen Finanzsystems:

Anleihen/Renten

Wir werden in unserem Leben nie wieder auskömmliche Zinsen bekommen!

Finden Sie sich damit ab, dass das normale Sparen gestorben ist. Sparer wollten risikolosen Zins. Den gibt es längst nicht mehr. Stattdessen zinsloses Risiko und zuletzt sogar Strafzinsen. Inzwischen notieren mehr als 50 % aller Staatsanleihen der Industrieländer auf der Welt unter 1 % p. a. und über 30 % haben negative Zinsen.

Renditen von Staatsanleihen aus Industrieländern

Anleihen sind die letzten 35 Jahre und besonders die letzten zehn Jahre sensationell gut gelaufen. Hochzinsanleihen haben per 30.09.2019 in den zurückliegenden 10 Jahren am besten rentiert und 9,3 % p.a. gebracht.

Asset Management

Die Messe bei Anleihen ist nun allerdings weitgehend gelesen. Für eine heutige Anlageentscheidung einen Blick in den Rückspiegel zu werfen, wäre ein schwerer Fehler und täuscht den Anleger. Das Motto im Bereich Anleihen ist „Gewinne mitnehmen und Alternativen suchen“. Es sind heutzutage ausschließlich Investoren in Anleihen investiert, die darin aufgrund von Anlagerichtlinien oder Gesetzen investieren müssen oder solche, die die Zeichen der Zeit ignorieren.

Sie werden auf Jahrzehnte keine auskömmlichen Realzinsen (also nach Inflation) mehr erhalten. Der heutige Status ist für uns Deutsche schon ein Elend, was die beistehende Grafik auf den Punkt bringt.

Reale Renditen 10-jähriger Staatsanleihen

Nach Inflation bringt eine zehnjährige Staatsanleihe deftige Verluste im zweistelligen Prozentbereich! Ordentliche Erträge gibt es noch, allerdings müssen Investoren dafür in Fremdwährungen gehen und die damit einhergehenden Kursbewegungen in Kauf nehmen.
Dass die Zinsen so niedrig bleiben, liegt auch an der massiven politischen Motivation, niedrige Zinsen zu haben. Sie sehen anbei, dass der Zinsaufwand, also was effektiv gezahlt werden muss für die Schulden, außer in den USA recht deutlich gesunken ist. Dabei haben alle Länder außer Deutschland deutlich mehr Schulden aufgebaut!

Staatlicher Zinsaufwand

Fazit: Keine Anleihen mehr in Industriestaaten. Negativzinsen und Kursrisiken überwiegen eindeutig. Ausgewählte Schwellenländer-Anleihen bieten noch über 5 % und positive Perspektiven.

„Aktien stehen vor dem Crash und sind teuer, zu lange und zu hoch gelaufen…“

So die landläufige Meinung. Ab 2009 lief es insgesamt recht gut – vor allem an den Aktienmärkten der Industrienationen. Nicht so gut lief es die letzten zehn Jahre in den Schwellenländern. Die haben seit 2008 nur 2,7 % p. a. gebracht.
Schwellenländer sind nach allen gängigen Bewertungsmaßstäben heutzutage günstig bewertet. Aber auch hier gilt, dass Anleger mit den Schwankungen zurechtkommen müssen, um langfristig die Früchte ihrer Investition zu ernten. Auf dem Weg zur langfristigen Rendite wird es jedoch auch mal holprig sein, so wie bspw. 2011, 2013, 2015 und 2018 als jeweils Kursrückgänge am Jahresende zu Buche standen.

Die allgemeine Fehldeutung, dass „die Aktienmärkte“ zu teuer sind, ist auch an anderen Märkten leicht nachvollziehbar. In Europa haben wir im Eurostoxx 50, einem Aktienindex, der die Wertentwicklung von 50 europäischen Großunternehmen zusammenfasst, einen Kursstand von rund 3.700 Punkten. Am Jahresanfang 2000, also vor knapp 20 Jahren, war dieser Index bei 5.180 Punkten. Das zeigt uns zwei Dinge: Europäischen Aktien sind über 20 Jahren nicht gut gelaufen. Ohne erfolgreiches, aktives Management haben Anleger trotz 20 Jahren Anlagedauer immer noch fast 30 % Minus in den Büchern. Auf der anderen Seite generieren europäische Aktien aktuell mit über 3 % Dividendenausschüttungen recht erfreuliche laufende Erträge.

Selbst beim überdurchschnittlich gut gelaufenen deutschen Aktienmarkt stehen die Werte noch unter dem Niveau von 2000.

Achtung: Lassen Sie sich nicht täuschen, wenn Sie auf den DAX, unseren Index mit 30 Großunternehmen, schauen. Dieser bezieht die beträchtlichen laufenden Dividenden der zwanzig Jahre mit ein und ist dann natürlich im Gewinn. Die Dividenden bei der Indexberechnung einzubeziehen, ist eine Ausnahme im internationalen Vergleich und macht Vergleiche für Laien immer recht schwierig. Ohne Berücksichtigung der Gewinnausschüttungen/Dividenden sind die 30 Top-Aktien Deutschlands immer noch einiges günstiger bewertet als vor 20 Jahren!

Noch deutlicher sind die günstigen Bewertungen in Japan. Der Japanische Aktienmarkt notierte 1989 bei fast 40.000 Punkten und steht heute bei rund 24.000 Punkten. Und das obwohl die Wirtschaft läuft, die Unternehmen viel besser aufgestellt sind als damals vor 30 Jahren. Anleger sind jedoch nachhaltig verschreckt aufgrund der langen Leidensgeschichte mit japanischen Aktien. Renditen entstehen jedoch in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit.

Zurecht von einer hohen Bewertung kann man in den USA sprechen. Der Aktienmarkt ist die letzte Dekade und auch davor schon sensationell stark gelaufen. Im historischen Kontext ist inzwischen ein sehr hohes Bewertungsniveau erreicht. Bisher muss allerdings noch festgehalten werden, dass die höheren Bewertungen zurecht entstanden sind. US-Unternehmen wuchsen schneller, sind größer, in ihren Branchen meist dominierender und profitabler als die Unternehmen der meisten anderen Regionen. Ob die USA auch die nächsten dreißig Jahren den besten Aktienmarkt stellen, wird von uns bezweifelt. Im Bereich Technologie sind die USA neben China führend, ansonsten fehlt es oft an Wettbewerbsfähigkeit. Bisher wird die Wirtschaft mit einem Dopinggemisch aus Krediten, Steuererleichterungen und einem kapitalmarktfreundlichen Präsidenten angetrieben. Die Schuldenlast ist in den USA allerdings gigantisch und wird sich langfristig negativ auswirken.

Globale Gewinne

Fazit: Die teilweise gestiegenen Börsenbewertungen basieren meist auf noch mehr gestiegenen Gewinnen der dahinter stehenden Unternehmen. Aufgrund der nunmehr zehn Jahre lang relativ kontinuierlich steigenden Kurse ist eine satte Korrektur natürlich überfällig, muss aber die nächsten zwei bis drei Jahre noch nicht zwangsläufig kommen.
Anleger die langfristig denken und mit auch stärkeren zwischenzeitlichen Kursschwankungen umgehen können, bieten sich weiterhin gute Einstiegsmöglichkeiten.

ACHTUNG bei ETF und Indexfonds. Diese werden die nächsten zehn Jahren für viel Enttäuschung sorgen. Trotz des moderat positiven Ausblicks gilt, dass vom Gewinne-mitnehmen noch niemand ärmer geworden ist. Es gibt ja Alternativen, die mehr auf laufende Erträge setzen als auf Kursentwicklungen. Aktive Selektion wird daher in der kommenden Dekade Mehrwerte bringen.

Sind Immobilien wirklich zu teuer geworden?

Auch hier neigt der Mensch zu pauschalen Bewertungen, die nicht zielführend sind. Es ist abzuraten, jetzt noch im Zentrum Münchens für mehr als das fünfzigfache einer Jahresmiete in Wohnimmobilien zu investieren. Der Irrsinn kennt an manchen Standorten tatsächlich kaum Grenzen. Aber München ist nicht Deutschland und Wohnimmobilien sind nicht Büro- und Gewerbeimmobilien. Zudem sind Immobilienpreise weltweit nicht im Gleichklang gestiegen.

Solange Zinsanlagen so unattraktiv wie aktuell sind, werden Immobilien sogar noch weiter an Wert gewinnen. Anleger haben neben einem Cashflow aus der Mietrendite also Chancen auf weitere Wertzuwächse. Bei Immobilien gilt inzwischen natürlich auch, dass noch genauer hingeschaut werden muss. Der Makro- und Mikrostandort, die Bauqualität, ein zeitgemäßes Design und optimierte Funktionalität sind langfristig erfolgskritischer geworden. Allerdings ist es ein Gerücht ohne viel Substanz, dass Immobilien generell zu teuer sind.

Hauspreise der Eurozone in Relation zum Einkommen