Gastbeitrag – Stefan Schrader analysiert: aktuelle Umbrüche und wie Sie diese aktiv nutzen können
Vom Krisenmodus zur Strategie: Nicht reagieren, sondern selbst gestalten
Vom Krisenmodus zur Strategie: Nicht reagieren, sondern selbst gestalten
Stefan Schrader
Kapitalmarktstratege
Hörtkorn Finanzen GmbH
Unser langjährig verbundener Geschäftspartner Stefan Schrader berät seit 01.07.2023 das Hörtkorn Team als freier Kapitalmarktstratege und steht unseren Kunden mit seinen Marktanalysen und Prognosen zu verschiedenen Anlagekategorien zur Seite. Seit 1994 ist er auf makroökonomische Analyse spezialisiert und für seine Arbeit in Anlageausschüssen und als Fondsmanager mehrfach mit Top Noten der renommierten Ratingagenturen Standard & Poors, Lipper, Morningstar, FWW ausgezeichnet.
Der nunmehr seit zwei Monaten anhaltende Krieg wird medial und unter Investoren viel diskutiert, kommentiert und gedeutet. Die Medien richten ihre Aufmerksamkeit recht konzentriert darauf, ob die Seestraße von Hormus offen oder blockiert ist und ob ein Waffenstillstandsabkommen getroffen ist oder nicht. Die Deutung an den Aktienmärkten ist bisweilen auch zwiespältig. Risiko-Renditeanlagen steigen oder fallen je nach Tagesberichterstattung. Die Schwankungen an der Börse sind seit Kriegsbeginn beträchtlich. Der fulminante Start ins Jahr wurde Ende Februar jäh unterbrochen. Der Korrektur im März folgt gerade eine Börsenerholung – als wenn alles vorbei und in bester Ordnung wäre.
Jedoch sind die bisherigen Korrekturen für das Ausmaß des tatsächlich entstandenen Durcheinanders recht überschaubar.
Es sind nicht nur (hunderte) Millionen Lebensrealitäten in unmittelbar betroffenen Regionen dauerhaft beeinträchtigt, sondern realwirtschaftlich nahezu die ganze Welt. Nicht zuletzt wurde die Berechenbarkeit teils Jahrzehnte bestehender internationaler Politik- und Handelsbeziehungen in den letzten zwei Monaten auf wackeligere Füße gestellt. Die USA haben viele ihrer bisherigen Verbündeten verprellt und bezahlen ihr Kriegsbündnis mit Israel mit erodierendem internationalem Status und Vertrauensverlusten.
Für Sachwert-Investments denkt man strategischer und eher mittel- bis langfristig. Auch wenn man als Sachwertinvestor nicht so sehr an dem kurzfristigen Hin und Her der Börse hängt, so möchte man die Einflussfaktoren verstehen, aus ihnen schlussfolgern und die permanenten Auswirkungen einordnen können, um sich zu schützen oder zu profitieren.
Die Bedeutsamkeit der Seestraße von Hormus für den Transport von Öl, Gas, Helium und anderen Energieträgern und Rohstoffen ist inzwischen omnipräsent. Hauptsächlich wird in der Finanzwelt jedoch über die kurzfristigen Preisentwicklungen berichtet. Ich denke mehr über die dauerhafte Verfügbarkeit der Rohstoffe nach und welchen Einfluss die beträchtlichen strukturellen Störungen auf Wertschöpfungsketten haben werden. Medien und auch viele Anleger neigen dazu, mehr über den Preis zu reden als über das zur Verfügung gestellte Angebot am Markt, also wie verfügbar wichtige Ressourcen sind. Verständlich, aber gerade für Investoren nicht ausreichend. Das ist beim Geld mit dem Zins auch so und neuerdings auch bei Energieträgern. Da beide, also Geld und Rohstoffe/Energie, jedoch grundlegend für alle Wertschöpfungsprozesse sind, ist deren Verfügbarkeit unterm Strich noch viel wichtiger als der Preis.
Da bei normalem Tagesgeschäft rund 3 Milliarden Liter Öl am Tag mit Tankschiffen durch die Seestraße von Hormus transportiert worden sind und diese nun fast zwei Monate nicht passierbar war, tun Investoren gut daran, anzunehmen, dass die Folgeerscheinungen länger bedeutsam sein werden als die Gültigkeit der Aussagen von Social-Media-Verlautbarungen des Donald Trump.
Gleichwohl hat der Preis Auswirkungen. So erwarten Ökonomen aus 10 USD Ölpreissteigerung in Europa ca. –0,25 % sinkendes Wirtschaftswachstum und +0,1 % steigende Inflation. Je nach Tageskurs haben wir also jetzt schon 40–50 USD Preissteigerung zu verarbeiten und resultierend –0,5 % weniger Wachstum und +1 % Inflationssteigerung anzunehmen.
Dass der Ölpreis nicht noch viel mehr gestiegen ist, liegt an den auskömmlichen Reserven, die sich die meisten großen Länder zulegten. Besonders viel hat sich China gesichert, das als größter Abnehmer iranischen Öls nach dem kurzen Krieg im Iran im letzten Jahr die Zeichen der Zeit erkannte und seine Reserven auf ca. 7–8 Monate Verbrauchsumfang ausweitete. Da China zudem direkt auf dem Landweg und durch politische Verbundenheit auf russisches Öl und Gas zurückgreifen kann, geht der offenkundig machtpolitische Plan der USA, China mit dem Krieg indirekt schaden zu wollen, nicht auf. Im Gegenteil sogar. Nach Russland, das wohl zweifelsfrei größter Profiteur des Krieges ist, und den USA, die gerade unter Druck in der von ihnen selbst geschaffenen Notstandslage erhebliche langfristige Rohstoffabkommen abschließen wollen, sollte China als ein langfristiger Profiteur aus der geopolitisch misslichen Kriegssituation hervorgehen.
Wie brutal und teils absurd die Positions- und Macht-Rochaden auf globaler Bühne vollzogen werden, erschließt sich einem wohl auch dabei, dass mitten im Krieg, nämlich schon vor rund 4 Wochen, die USA die Sanktionen gegenüber Russland und dem Iran bezüglich deren Ölexporten ausgesetzt haben, damit der Ölpreis stabilisiert wird.
Nun haben weder Sie noch ich Einfluss auf diese Entwicklungen. Ich möchte dazu beitragen, die Entwicklungen einzuordnen und daraus hilfreiche Schlussfolgerungen für eigene Investment-Entscheidungen zu treffen, die möglichst auf fundamental robusten Entscheidungsparametern basieren.
Bezogen auf die aktuelle Situation und mein Mandat als Kapitalmarktstratege für Hörtkorn Finanzen (Sachwert-Spezialist), spielen sicher mindestens zwei Auswirkungen des aktuellen Geschehens eine bedeutsame Rolle. Bevor ich darauf eingehe und auch Herr Friedenauer und Herr Hermann mit ihrer Expertise spezifische Einordnungen für bestimmte Assetklassen vornehmen, möchte ich mit auf den Weg geben, dass die Folgeerscheinungen aus dem Konflikt dauerhafte Spuren hinterlassen werden. Diesen Rechnung zu tragen ist wichtig.
Aktuell weit verbreitet ist die unrealistische Annahme, dass mit einem Friedensabkommen die Probleme gelöst sind. Dieses Abkommen zu treffen, resultiert aus der katastrophalen Entwicklung des Krieges für die USA und Donald Trump. Er ist in der Heimat in Ungnade gefallen und seitens der USA wurden erstaunlich viele und weitreichende Fehleinschätzungen zur Konfliktentwicklung abgegeben. Die USA und deren Regierung stehen massiv unter Druck und der Iran ist in der überlegenen Verhandlungsposition, die er auch zu nutzen wissen wird. Daher wird vordergründig voraussichtlich bald eine (Schein-)Lösung präsentiert werden, die es Donald Trump ermöglicht, vorwiegend in den USA, aber auch in der Welt einen abgeschlossenen Krieg präsentieren zu können. Folgeerscheinungen werden die Wirtschaftspolitik und vor allem die globalen Rohstoff- und noch mehr Energiemärkte dauerhaft beeinträchtigen. Alte Bündnisse werden sich auflösen oder neu verhandelt und dadurch auch neue Wertschöpfungsmöglichkeiten hervorbringen.
Unweigerlich wird auf globaler Ebene der Siegeszug von erneuerbaren Energiequellen als günstigster Energielieferant fortgesetzt und weiteren Rückenwind erfahren. Sie lasen an dieser Stelle schon letzte Woche, dass die Mittelzuflüsse institutioneller Investoren des Bereichs schon vor dem Krieg im Jahr 2025 Rekordvolumen erreichten. Umso mehr werden aktuell Länder und die Wirtschaftsunternehmen sensibilisiert und motiviert für diese Energiequelle sein, da Wind und Sonne 1.) nicht durch Seestraßen, die blockiert werden können, transportiert werden müssen und 2.) die Gestehungskosten einzelner Einheiten und vor allem die Geschwindigkeit von Infrastrukturmaßnahmen im Bereich erneuerbare Energien allen anderen weit überlegen ist. Natürlich wird Atomkraft auch außerhalb von Deutschland weiterhin prosperieren. Für Investoren ist das jedoch ohnehin nicht relevant, da Atomkraftwerke in Europa in der Regel 15–20 Jahre Planungs- und Bauzeit haben und in der Regel zwischen 15 und 30 Milliarden Euro pro Reaktor kosten.
Leider ist klar, dass die Inflation steigen und die Wirtschaftsdynamik gebremst wird. Der Umfang ist noch unklar, die kurz- und mittelfristigen Konsequenzen sind meines Erachtens jedoch jetzt schon nicht abwendbar. Falls Sie meine Kommentare hier oder in der Fachpresse schon öfter gelesen haben, wissen Sie, dass mein Basisszenario für die Dekade beginnend ab 2022 ohnehin von einer deutlich erhöhten Inflation ausgeht. Die neuerlich anzupassenden Prognosen sind für mich als Bürger bedauerlich, für mich als Investor jedoch blasen die Einflussgrößen ins gleiche Horn und ändern nicht viel an meinem Basisszenario für Deutschland.
Als Sachwertinvestor bei Hörtkorn Finanzen ist man mit Immobilien, Private Equity und neuerdings auch vermehrt Infrastruktur-Investments in Anlagen für erneuerbare Energien in der Regel mittelbar inflationsgeschützt investiert. Das ist schon mal gut.
Der gedämpften Wirtschaftsdynamik zu begegnen, kann schon herausfordernder sein. Es ist also wichtig, auf Werttreiber zu setzen, die eine realistische Chance haben, sich von einem übergeordneten Entwicklungsmuster abzukoppeln oder sogar zu profitieren.
Im Private-Equity-Segment kann das mit Small- und Midcap-Investments gelingen. Die Bewertungen sind, anders als bei den großen Mega-Deals, weiterhin attraktiv und Mittelstandsunternehmen sind bekanntermaßen die Säulen des Wirtschaftslebens. Bei Immobilien erscheint mir wichtig, in Konzepte zu investieren, die den sich verändernden Zeitgeist berücksichtigen und nah am Nutzerbedürfnis sind. „Betongold“ allein stellt schon längst eine Phrase dar. Es kommt auf Qualität bei Standort, Substanz, Nutzungsart und bei gemanagten Objekten auf den wirtschaftlichen Verwalter und dessen Fähigkeiten und Konzept an.
Erneuerbare Energien werden bisweilen in Deutschland eher als ein Glaubens- bzw. Überzeugungsthema diskutiert. Das ist für mich als Beobachter der letzten Jahre zwar nachvollziehbar, greift jedoch zu kurz und erscheint mir auch unsinnig. Letztlich sollte man Realitäten akzeptieren und schauen, wie man damit umgeht, und idealerweise davon profitieren. Ob ein Atomausstieg sinnvoll, berechtigt oder großer Unsinn und energiepolitisches Versagen ist, interessiert ökonomisch nicht. Fakt ist, dass Deutschlands Energiekonzept ohne Atomkraft umgesetzt wird. Als Investor sollte man dann schauen, ob und wie man davon ggf. sogar profitieren kann. Da Herr Hermann mir die Veranstaltung empfahl, habe ich mir übrigens letzte Woche sein Webinar mit Herrn Busboom zum Thema erneuerbare Energien selbst angeschaut. Ich habe viel gelernt und bin begeistert. Es ist wahrlich interessant und ich gebe eine klare Empfehlung, die Aufzeichnung anzuschauen, wenn Sie das Thema noch besser verstehen wollen. Vor allem habe ich realisiert, dass man in dem Bereich tatsächlich eine staatliche Mindestvergütung als Absicherung erwarten kann, obwohl der Betreiber der Infrastrukturmaßnahme, an der man sich als Investor beteiligt, auf Tagesbasis von höheren Strompreisen profitieren könnte.
Neben den kurzfristigen Schwankungen wird es strukturelle Auswirkungen von Dauer durch die aktuellen Neuordnungen in der Weltpolitik geben. Die Inflation erhält Auftrieb, das Wirtschaftswachstum wird gebremst. Energie als zentraler Treiber hinter der Weltwirtschaft rückt in den Fokus aller Investoren. Autarke Aufstellungen, resiliente Bündnisse und Investments, die möglichst unabhängig von derartigen Kriegen und geo- und machtpolitischen Auseinandersetzungen und Rochaden sind, sollten von sicherheitsorientierten Anlegern bevorzugt werden. Die Spekulation an der Börse nimmt nicht nur zu, sondern wird speziell durch Donald Trumps Kommunikationsverhalten auf ein neues Niveau katapultiert.
Besonnen Werttreiber zu identifizieren und Ertragsquellen zu erschließen, die sich jenseits der offenkundigen Problemfelder und unabhängig von politischen und medialen Nebelkerzen prosperierend darstellen, ist das Gebot der Stunde – zumindest, wenn man nicht spekulieren, sondern robust investieren möchte, auf laufende Cashflows setzt und dabei noch „ruhig schlafen“ möchte.
Spekulanten erleben gerade ein Eldorado, was man an den gigantischen Volumen des kurzfristigen Tradings an der Börse ablesen kann. Diese Art, mit seinem Kapital am Finanzmarkt teilzunehmen, hat gerade Hochkonjunktur.
Peter Friedenauer
Geschäftsführer
Hörtkorn Finanzen GmbH
„Viele unserer Anleger fühlen sich mit Qualitätsimmobilien-Investments wohl. Wir haben beispielsweise schon über 9 Mio. Euro mit unseren Anlegern in den Fonds „neustädter“ von Hannover Leasing investiert. Aus Kundengesprächen weiß ich, dass oft vor allem vier Punkte von Anlegern bei dem Fonds geschätzt werden:
Gerade beim 4. Punkt zeigen die neuesten Statistiken, dass unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland die Besucherzahlen seit 2023 von 4,9 Mio. Besuchern um 27 % auf 6,3 Mio. Besucher im Jahr 2025 gesteigert werden konnten.
Für mich dokumentieren solche, vom Objektmanagement selbst beeinflussten Entwicklungen, dass es sinnvoll und auch möglich ist, zu versuchen, sich von allgemeinen Entwicklungen abzukoppeln.“
Axel Hermann
Prokurist
Hörtkorn Finanzen GmbH
„Im Webinar mit Herrn Busboom wird deutlich, dass Investoren sogar von den dynamischen Preisentwicklungen seit 2022 und zuletzt profitieren können, ohne auf die Absicherungen durch die staatlichen Mindestpreisgarantien verzichten zu müssen. Diese Kombination von Chancen und Risiken wünschen sich in der Theorie die meisten Anleger immer wieder und bekommen sie so gut wie nie. Unabhängig vom Krieg bietet der Markt meines Erachtens gerade ein ungewöhnliches Zeitfenster. Wie Herr Busboom im Webinar erörterte, resultieren die attraktiven Einkaufspreise bei Wind-Bestandsanlagen aus politisch gewollter Initiative und dem Refinanzierungsbedarf der Projektentwickler. Die Mehrerlöschancen durch die deutlich gestiegenen Energiepreise entstehen vollkommen zufällig zeitgleich aus geopolitischen Verwerfungen. Aus der Not die Tugend zu machen, scheint hier ratsam. Für gewöhnlich sorgen höhere zu erwartende Einnahmen in der Finanzwelt nämlich für steigende Einkaufspreise. Ich verlinke Ihnen anbei die Webinar-Aufzeichnung.
Ich sehe es wie Herr Schrader und halte es für erkenntnisreich. Prädikat empfehlenswert!“
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April 2026
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© Stefan Schrader – bearbeitet und freigestellt von Hörtkorn Finanzen GmbH
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