Wenn Helfen bedeutet, selbst ins Risiko zu gehen
Es gibt Situationen, in denen ein Notruf allein nicht genügt.
Wenn ein Mensch in einer Felswand verunglückt, in einer Höhle festsitzt oder sich im winterlichen Gebirge verletzt, müssen diejenigen, die ihm helfen wollen, selbst dorthin gelangen. Sie müssen klettern, sich abseilen, mit Skiern oder zu Fuß durch schwieriges Gelände vordringen oder Verletzte mit einer Rettungswinde ausfliegen.
Das ist die Welt der Bergwacht.
(Bild: Mitglieder der Bergwacht Bad Tölz mit Axel Hermann)
Allein in Bayern engagieren sich rund 4.500 Frauen und Männer in 107 Bereitschaften ehrenamtlich. Rund um die Uhr stehen sie an 365 Tagen im Jahr bereit und bewältigen jährlich rund 14.000 Einsätze.
Sie helfen dort, wo ein Rettungswagen längst nicht mehr hinkommt. Die Spezialisten der Bergwacht retten Menschen aus Felswänden, Schluchten, Höhlen und alpinem Gelände, bergen Verletzte unter schwierigsten Bedingungen und evakuieren im Notfall sogar Passagiere aus Seilbahnen.
Trainieren für den Moment, in dem es ernst wird
Was im Ernstfall funktionieren muss, muss vorher trainiert werden – möglichst unter Bedingungen, die dem späteren Einsatz so nahe wie möglich kommen.
Dafür verfügt die Bergwacht Bayern in Bad Tölz über ihr Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung. Gemeinsam trainieren dort Bergretter, Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr sowie weitere Rettungs- und Sicherheitsorganisationen unterschiedlichste Einsatzszenarien.
Das Zentrum genießt heute internationale Anerkennung und gilt als eines der modernsten Ausbildungs- und Simulationszentren Europas. Es ist weit mehr als ein Trainingsgelände – es ist ein Kompetenzzentrum für alpine Sicherheit, in dem modernste Technik, realitätsnahe Ausbildung und die Zusammenarbeit unterschiedlichster Einsatzorganisationen zusammengeführt werden.
Besonders beeindruckend ist der seit 2024 eingesetzte H145-Hubschraubersimulator. Er ermöglicht realitätsnahe Rettungseinsätze an der Winde, ohne dass dafür ein echter Hubschrauber fliegen muss. Der Simulator wurde gemeinsam mit dem österreichischen Spezialisten AMST entwickelt und gilt als der erste Simulator seiner Art weltweit. Das entwickelte Ausbildungskonzept findet inzwischen auch international große Beachtung.
Selbst komplexe Unterwasser-Szenarien können inzwischen simuliert werden. In einer eigens entwickelten Trainingsumgebung üben Wasserwacht, DLRG und Polizei beispielsweise die Bergung aus einem versunkenen Fahrzeug.
Die Entwicklung dieses außergewöhnlichen Ausbildungszentrums wurde über viele Jahre von zahlreichen Persönlichkeiten begleitet. Zu den wichtigsten Unterstützern gehörte Alois Glück, der ehemalige Präsident des Bayerischen Landtags und spätere Schirmherr der Stiftung Bergwacht. Mit dem derzeitigen Ausbau zum Bayerischen Zentrum für Alpine Sicherheit entsteht eines der modernsten Ausbildungszentren Europas. Das Investitionsvolumen beträgt rund 18,9 Millionen Euro, wovon der Freistaat Bayern bis zu 15 Millionen Euro übernimmt.
Hinter spektakulären Rettungseinsätzen stehen also nicht nur Mut und körperliche Leistungsfähigkeit. Dahinter stehen jahrelange Ausbildung, regelmäßiges Training, modernste Technik – und Menschen, die bereit sind, einen erheblichen Teil ihrer Freizeit dafür einzusetzen.





















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