Die Ursachen hierfür sind nicht monokausal, sondern ergeben sich aus dem gleichzeitigen Auftreten mehrerer Engpassfaktoren:
- Außergewöhnlich hohe Nachfrage
Hitzeperioden führen zu stark steigender Stromnachfrage, insbesondere durch Kühl- und Klimatisierungslasten in Haushalten, Gewerbe und Industrie. Hinzu kommt momentan die Fußball-WM in Mexiko, Kanada und den USA: Die Spiele versammeln Millionen Menschen vor den TV-Geräten und in der Gastronomie, werden aber meist erst ab den Abendstunden übertragen.
- Zeitliche Erzeugungslücke zwischen Solar- und Windstrom
Während mittags hohe PV-Einspeisung vorliegt, bricht diese am Abend abrupt weg. Gleichzeitig war die Windstromproduktion in der betrachteten Phase unterdurchschnittlich. Dadurch entsteht genau in den Abendstunden eine ausgeprägte Versorgungslücke.
- Reduzierte Verfügbarkeit konventioneller Kraftwerke durch Wartung
Ein Teil der konventionellen Kraftwerksflotte steht im Sommer regelmäßig nicht zur Verfügung, da Wartungsarbeiten bewusst in Zeiten geringerer erwarteter Last gelegt werden. Genaue Gesamtzahlen variieren saisonal, doch Netzbetreiber weisen regelmäßig darauf hin, dass mehrere Gigawatt gesicherter Leistung in solchen Phasen nicht abrufbar sind.
- Eingeschränkte Einsatzbereitschaft von KWK-Anlagen
Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen sind im Sommer häufig wirtschaftlich weniger attraktiv, da die gekoppelte Wärmenachfrage fehlt. Ein Teil dieser Anlagen reduziert daher die Einspeisung oder wird zeitweise nicht betrieben.
- Ökonomische Grenzen kurzfristiger Spitzenlastbereitstellung
Konventionelle Spitzenlastkraftwerke werden nur für wenige Stunden benötigt. Bei sehr kurzen Einsatzzeiten sinkt jedoch die Wirtschaftlichkeit, wodurch nicht alle theoretisch verfügbaren Kapazitäten tatsächlich am Markt aktiv sind.
Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von der „Hitzeflaute“, wenn die eben genannten Faktoren zusammenkommen und für Engpässe auf dem Strommarkt sorgen.
Der Strompreis bildet heute daher nicht mehr nur die durchschnittliche Erzeugung ab, sondern vor allem die Fähigkeit des Systems, große Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage kurzfristig zu kompensieren.
Genau hier gewinnt ein weiterer Baustein zunehmend an Bedeutung: Batteriespeicher. Sie ermöglichen es, kurzfristige Überangebote aus Zeiten hoher Solarproduktion aufzunehmen und diese gezielt in knappen Marktphasen wieder bereitzustellen. Damit wirken sie als technisches und ökonomisches Bindeglied in einem System, das durch erneuerbare Überkapazitäten auf der einen und Knappheitssituationen auf der anderen Seite geprägt ist.